RDB e.V.
Ring Deutscher Bergingenieure
Der Verband von Ingenieuren, Technikern und Führungskräften.
Bezirksverein: RDB e.V. BV - Dortmund Nord

Heute ist Sonntag , der 20.10.2019

Oktober2019
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Schildausbau

Bericht über:

  Exkursion 2010 ins Saarland  
   
  am 20. Juni 2010 ins Saarland  
   
  In diesem Jahr haben der BV Dortmund Nord und der BV Brambauer gemeinsam vom 20.06. bis zum 26.06.2010 eine Exkursion mit 41 Teilnehmern ins Saarland unternommen. Unser Standort war die schöne Stadt Saarlouis. Wir wollten das Saarland als geschichtsträchtige Montanregion, als Landschaft und auch neue Industrien kennen lernen. Unsere Reise wurde, wie bereits in der Vergangenheit, von unseren Kameraden Karlheinz Droste und Gerd Tille geplant und organisiert. Für Eure Arbeit, die uns diese Reise ermöglicht hat, bedanken sich alle Teilnehmer herzlich.  
   
  Das Saargebiet hatte eine wechselvolle Geschichte. Nach dem verlorenen 1. Weltkrieg wurde das Saarland durch den Versailler Vertrag für 15 Jahre unter französische Verwaltung gestellt. 1935 wurde im Saarland eine Volksabstimmung durchgeführt, bei der sich 90% für eine Rückkehr ins Deutsche Reich entschieden. Nach dem 2. Weltkrieg erfolgte eine erneute Trennung von Deutschland. Das Saarland war dann 14 Jahre französisches Protektorat. Heute hat das Saarland 1,023 Mio. Einwohner und ist 2,5 Mio. km² groß.  
   
  Am Anreisetag blieb noch genügend Zeit Saarlouis ein wenig zu Fuß zu erkunden.  
   
  In Saarlouis
 
  In der Innenstadt von Saarlouis.
  Foto 1: Karlheinz Droste
   
  Am Montag fuhren wir nach Trier. Der Stadtführer führte uns zuerst in die Basilika. Kaiser Konstantin der Große (306-337) baut die Stadt zur glanzvollen Residenz aus. Die Basilika, der Bischofssitz und die Kaiserthermen sind unter seiner Herrschaft entstanden. Trier hatte zur damaligen Zeit 40.000 Einwohner.  
   
  Überwältigend ist der Eindruck im Inneren der Basilika. Der Raum hat die Abmessungen von 67 m Länge, 27 m Breite und eine Höhe von 33 m. Die Decke besteht aus Holzkassetten. Der Raum besaß eine Fußbodenheizung. Der Bau sollte in diesen Ausmaßen die Größe und die Macht des Römischen Reiches verkörpern. Friedrich Wilhelm IV hat im 19. Jahrhundert die teilweise zerstörte Basilika wieder errichten lassen. Ab 1856 wurde das Gebäude als evangelisches Gotteshaus genutzt. Neben der Basilika steht das Kurfürstliche Palais, Sitz des Erzbischofs und Kurfürsten von Trier bis 1794. Anschließend machten wir eine Stadtrundfahrt. Sie führte uns durch das Weberviertel, vorbei an Resten der mittelalterlichen Stadtmauer. Die Porta Nigra, das römische Stadttor, wurde aus großen Steinquadern ohne Mörtel aufgebaut. Die Steine werden mit Eisenklammern zusammen gehalten, die mit Blei vergossen sind. Im Mittelalter ist das Stadttor zur Kirche umgebaut worden und so erhalten geblieben.  
   
  Weltkulturerbe Konstantin-Basilika Trier
 
  Friedrich Wilhelm IV hat im 19. Jahrhundert die teilweise zerstörte Basilika wieder errichten lassen. Ab 1856 wurde das Gebäude als evangelisches Gotteshaus genutzt.
  Foto 2: Karlheinz Droste
   
  Porta Nigra
 
  Die Porta Nigra ist ein ehemaliges römisches Stadttor und bekanntes Wahrzeichen der Stadt Trier. Der Name Porta Nigra stammt aus dem Mittelalter.
Seit 1986 ist die Porta Nigra Teil des UNESCO-Welterbes Römische Baudenkmäler.
  Foto 3: Karlheinz Droste
   
  Am Moselufer ging es vorbei am sekularisierten Martinskloster. Zwei Kräne, der älteste von 1413, die mit Laufrädern angetrieben wurden, sahen wir als nächstes. Dann kam die im 2. Jahrhundert errichtete Römerbrücke. Die heutige Brücke wird noch von den Basaltpfeilern aus der damaligen Zeit getragen. Weiter ging es zu den Barbarathermen, dem größten Thermenbau außerhalb Roms mit 4,3 ha Fläche. Das Amphitheater, am Hang des Petrisberges war das nächste Ziel. Im Mittelalter wurde dieser Ort als Steinbruch ausgebeutet und ab 1816 archeologisch untersucht und im Laufe der Zeit wieder freigelegt. Heute sind die Umrisse des Amphitheaters vom Petrisberg aus gut zu erkennen. Unsere letzte Station war der Petrisberg. Von hier aus konnten wir uns einen guten Überblick über Trier verschaffen.  
   
  Am Nachmittag stand eine Schifffahrt auf der Mosel auf dem Programm. Die Mosel wurde in den Jahren 1958-64 von Koblenz bis Metz schiffbar gemacht. Es wurden 14 Schleusen gebaut. Frankreich erweiterte den Ausbau durch weitere Staustufen bis 1979. Es gibt im Endausbau 28 Staustufen und Schleusen, die das Befahren der Mosel mit Schiffen bis 1.500 t ermöglichen. In jede Staustufe ist ein Wasserkraftwerk eingebaut. Wir fuhren an der ältesten Brücke Deutschlands, der bereits oben erwähnten Römerbrücke, vorbei und konnten die mächtigen Basaltpfeiler aus der Nähe sehen. Das schöne Wetter machte die Moselfahrt für alle zu einem besonderen Erlebnis.  
   
  Am Dienstag stand ein Besuch der Fordwerke Saarlouis auf dem Programm. Im Januar 1970 lief in Saarlouis der erste Escort vom Band und damit wurden 2.100 Arbeitsplätze geschaffen und so auch der Strukturwandel an der Saar eingeleitet. Heute beschäftigt Ford in Saarlouis 6.500 Mitarbeiter und fertigt in einer Taktzeit von 38 sek. 1.920 Fahrzeuge am Tag. Es werden die Fahrzeuge Focus, C-MAX und Kuga gebaut. Im angeschlossenen Zulieferpark, in dem 17 Firmen 2.000 Mitarbeiter beschäftigen, werden Baugruppen wie Türen, Kabelstränge, Achsen, Abgasanlagen u.s.w . vorgefertigt und passgenau für die verschiedenen Fahrzeugtypen in das Fordwerk zum Einbau geliefert. 750 Lkw Ladungen, von 350 Lieferanten, erreichen das Werk täglich.  
   
  Die Fahrt durch die Montagehalle begann im Presswerk und Rohbau. Die Werkzeuge der Pressen sind hier das Teuerste. Da die Pressen einen so großen Kostenfaktor darstellen, werden hier auch die Pressteile für die Werke in Spanien und Mexiko gefertigt. Mit 4.000 Schweißpunkten werden die Karosserieteile zusammen geschweißt. Dann ging es weiter durch die Montage. 900 Roboter beschleunigen hier die Produktion und nehmen den Mitarbeitern viel ungesunde Arbeit ab. Es arbeiten an den Bändern immer Teams von 6 Mann zusammen die sich alle 2 Std. in der Ausführung der Arbeit abwechseln. Weiter ging es zur Endmontage. Hier werden Karosserie und Motor zusammen gebaut, die sogenannte Hochzeit. Dann kommt das Betanken und die Endabnahme. Zwischendurch werden immer wieder Teile aus dem Produktionsprozess herausgenommen, vermessen und überprüft. Die Fertigung erfolgt nach Eingang der Bestellungen. Es sind unterschiedliche Typen auf dem Band und es werden je nach Bestellung Alu-Felgen, Ledersitze usw. punktgenau an den Einbaustellen bereit gestellt und montiert. Es war für uns beeindruckend, welche Logistik hierfür notwendig ist. Wichtig sind für Ford Verbesserungsvorschläge der Mitarbeiter. Im Letzten Jahr wurde u. a. dreimal die Höchstprämie von 50.000 € vergeben. Ford nutzt die Abwärme der Dillinger Hütte und hat so keinen Ölverbrauch. 2001 erhielt das Werk Saarlouis den Umweltschutzpreis.  
   
  Am Nachmittag machten wir eine Stadtführung durch Saarlouis. Die Führung begann mit einem Vortrag im Gobelinsaal im Rathausneubau. Dieser Raum wurde extra zur Aufnahme der wertvollen Gobelins, die Ludwig XIV 1687 zur Ausschmückung des Präsidialgerichts angeschafft hat, gebaut. In dem Raum stehen 12 Barocksessel, die auch aus der damaligen Zeit stammen. 1680 wurde die Stadt von Ludwig XIV, Namensgeber der Stadt, gegründet und der Festungsbaumeister Vauban wurde mit der Ausführung beauftragt. Vauban baute einen Hauptfestungswall mit 6 Bastionen. Der Festungswall wurde mit einem Hauptgraben und Vorgräben umgeben, die bei Gefahr durch Schließen einer Schleuse, die zusätzlich durch das vorgelagerte Hornwerk gesichert war, geflutet. Die Innenstadt wird durch den großen Markt dominiert. Die Straßen sind rechtwinklig, wie sie von Vauban geplant und gebaut wurden, noch erhalten. Am großen Markt steht die Ludwigskirche und die Kommandantur. Unser Rundgang führte uns zur Kaserne 1, die durch Renovierung vor dem Verfall gerettet werden konnte. Dann ging es weiter an den Kasematten vorbei, durch das Deutsche Tor zur Bastion VI. Von hier aus hat man einen guten Rundblick in die Umgebung. Vorbei ging es am Geburtshaus von Marschall Ney, der von 1769 bis 1815 gelebt hat. Er wurde in Paris hingerichtet. Zum Schluss waren wir in der Silberherzstrasse, dem Standort der ehemaligen Synagoge. Heute erinnert ein Brunnen an die Progromnacht von 1938.  
   
  Am Mittwoch fuhren wir nach Rumelange in das Nationale Grubenmuseum. Hier ist das ehemalige Erzbergwerk Walert zu einem Museum umgebaut worden. Das in Lothringen und in Luxemburg vorkommende Minette Erz wurde hier in zwei Flözen abgebaut. Das Erz ist sedimentären Ursprungs und hat 28-35% Eisengehalt und einen hohen Phosphoranteil von bis zu 1%. Das Minette Erz konnte erst wirtschaftlich nach Einführung des Thomasverfahrens eingesetzt werden. Der geringe Eisengehalt führte 1997 zur Schließung der letzten Grube in Frankreich.  
   
  Bereit zur Grubenfahrt
 
  Vor der Einfahrt
  Foto 4: Karlheinz Droste
   
  Auf der von uns besuchten Grube wurde erst 1923 die Druckluft und 1926 die Elektrizität eingeführt. Die Arbeitsbedingungen waren für uns unvorstellbar schlecht. Die Bergleute wurden nur nach gefördertem Erz bezahlt. Gezähe, Material und Sprengstoff mussten die Arbeitsgruppen selbst bezahlen. Unfälle gab es täglich. Wir fuhren mit dem Personenzug in den Stollen. Die Grube wird auf natürliche Weise bewettert. Die Durchschnittstemperatur in der Grube beträgt 10°C. Dort hat man die Abbaumaschinen, Förderwagen und Lokomotiven, die von der Mitte des 19. Jahrhundert bis 1980 in den Gruben im Einsatz waren, ausgestellt. Die Abbaumethoden von der Handarbeit bis zur Mechanisierung wurden uns vorgestellt.  
   
  In der Grube
 
  In der Grube.
  Foto 5: Karlheinz Droste
   
  Anschließend fuhren wir zur Römischen Villa Borg. Vor 100 Jahren entdeckte man bei Borg Spuren einer römischen Siedlung. Seit 1987 wird auf diesem Gebiet eine römische Villa erforscht. Hier fand man die Reste einer der größten Villenanlagen im Saar-Mosel-Raum. Auf den ausgegrabenen Grundmauern wurde die Villa neu errichtet. Es entstand das Herrenhaus, das Villenbad, der Wohn- und Wirtschaftstrakt und die Taverne. Außerdem gestaltete man die Gartenanlagen der Zeit entsprechend.  
   
  Weiter ging unsere Fahrt nach Orscholz, um uns dort vom Aussichtspunkt Cloef die Saarschleife anzusehen. Die Saar macht an dieser Stelle eine 180° Kehre auf einer Länge von 10 km. Der kürzeste Weg der Saar wäre nur 2 km lang. Nach diesem ereignisreichen Tag ging es wieder zurück nach Saarlouis.  
   
  Saarschleife bei Mettlach
 
  Blick vom Aussichtspunkt Cloef auf die Saarschleife.
  Foto 6: Karlheinz Droste
   
  Die Verfasser dieses Berichts sind unser Vorsitzende Dr. Volker Schacke und unser Schatzmeister Harald Schröder.  
   
  Ende  
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